Samstag, 9. Januar 2016

Rezension #10 - "Die dunklen Mauern von Willard State" von Ellen Marie Wiseman

"Die dunklen Mauern von Willard State" von Ellen Marie Wiseman

Taschenbuch | Piper Verlag | 464 Seiten
Originaltitel: "What she left behind"
erschienen im November 2015 | ISBN 9783492307581
9,99€ [D] | 10,30€ [A]

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* * * * * * * * * *
Izzy Stone ist 17 Jahre alt und hat in ihrem kurzen Leben schon einiges erleben müssen. 
Als Izzy sieben Jahre alt war, erschoss ihre Mutter ihren Vater im Schlaf.
Seitdem wandert sie von einer Pflegefamilie zur nächsten und versucht die schrecklichen Bilder aus ihrem Kopf zu verbannen, versucht zu verstehen welcher Wahnsinn ihre Mutter zu so einer schlimmen Tat trieb.
Als sie bei Peg und Harry unter kommt scheint sie endlich eine Familie gefunden zu haben, bei der sie ankommen kann. Sie muss wieder einmal von vorn beginnen. Eine neue Schule, neue Freunde finden, sich eingliedern. Doch die ersten Tage an der neuen Schule werden zur reinsten Schikane.
Gemeinsam mit ihrer Pflegemutter Peg arbeitet sie an einem Museumsprojekt, dass sich mit der Aufarbeitung der Patientengeschichten der Willard State Psychiatrie beschäftigt. Beim katalogisieren der Habseligkeiten stößt Izzy auf ein altes Tagebuch. Es gehört Clara Cartwright, eine junge Frau die in den 1930er Jahren im Willard State Asylum eingewiesen war. 
Doch welche Geschichte hatte Clara zu erzählen? Izzy begibt sich auf Spurensuche. 

"Die dunklen Mauern von Willard State" ist ein bewegendes und erschütterndes Buch. 
Wir verfolgen zwei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen. 
Zum einen begleiten wir Izzy durch ihren Schulalltag und die Schikanen die sie über sich ergehen lassen muss, sowie ihre Suche nach Claras Geschichte. 
Zum anderen sind wir hautnah dabei, wie das Leben der jungen Clara in den 30er Jahren plötzlich aus den Fugen gerät. Sie wird ins Willard State Asylum eingewiesen und niemand will ihr glauben, dass sie nicht geisteskrank ist. 

Mich hat das Buch wirklich tief im Herzen bewegt und mitgerissen. Der Schreibstil ist so authentisch und lebensnah, so mitreißend und gefühlvoll - ich war von der ersten Seite an fasziniert und mitten drin. 
Die beiden Protagonistinnen sind noch jung und haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Trotzdem erleben beide so grauenhafte Dinge, dass es erschreckend ist mit anzusehen, was sie in ihren jungen Jahren schon alles verkraften müssen. Ich habe mitgezittert, habe mit den Tränen kämpfen müssen und habe innerlich gekocht vor Wut über diese Willkür - sowohl bei Izzy, als auch bei Clara. 
Es waren viele interessante Figuren dabei, die man lieben und hassen gelernt hat. Auch die Nebenfiguren waren - zumindest in Claras Abschnitten - sehr schön ausgearbeitet und hatten alle ihre Macken und Ecken und Kanten. Das hat mir gut gefallen. 

Generell kann ich sagen, dass mir vor allem die Abschnitte von Clara am besten gefallen haben. Diese Geschichte hätte ich gern noch intensiver und noch ausführlicher verfolgt. In diesen Abschnitte habe ich mich absolut verloren. Ich konnte Clara so gut nachvollziehen, konnte ihre Handlungen verstehen und habe mitgelitten. Am liebsten hätte ich ihr irgendwie geholfen. Sie ist eine unfassbar interessante junge Frau gewesen und das "Leben" in Willard State hat mich erschüttert und fasziniert zugleich. Gern hätte ich noch einen tieferen Einblick in die Welt der Psychiatrie in den 30er Jahren geworfen. Denn es war erschreckend, was damals als "Behandlung" verstanden wurde.
Großartig geschrieben und in Szene gesetzt von der Autorin. 

Die Abschnitte von Izzy hingegen hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Das Problem lag hier allerdings eher daran, dass zu Beginn des Buches der Schwerpunkt sehr auf den Schulalltag von Izzy gerichtet wurde. Die Schikane die sie dort erlebt, die Cliquenbildung und der junge Mann (der auch eine Rolle spielt) erinnerten mich zu sehr an NewAdult-Romane und diese lese ich überhaupt nicht. Das ist gar nicht meins. 
Daher konnte ich mit diesen Abschnitten auch leider nur wenig anfangen. Ich hätte hier gern noch mehr über Izzys Vergangenheit und ihre Mutter erfahren. Das kam mir leider ein wenig zu kurz.

Alles in allem war "Die dunklen Mauern von Willard State" ein Buch, dass mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Es hat mich bewegt und berührt, es hat mich erschüttert und entsetzt. 
Das letzte Drittel hat dann leider ein wenig nachgelassen, da plötzlich alles sehr schnell ging. Die Ereignisse überschlugen sich und viele Jahre wurden übersprungen, sodass es den Anschein hatte, als würden einem nun wichtige Details fehlen. Alles raste an mir vorbei und plötzlich war die Geschichte zu Ende, doch ich hatte noch so viele offene Fragen in meinem Kopf. 
Das fand ich etwas schade. Da hätte ich mir ein ausführlicheres Ende gewünscht und dem Buch hätten ein paar Seiten mehr absolut nicht geschadet.

Trotzdem kann ich euch das Buch nur empfehlen. Es lohnt sich schon allein des Schreibstils wegen und vor allem wegen Clara - die ich so sehr in mein Herz geschlossen habe und deren Geschichte ich einfach nur mitreißend fand. 

An dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an Sabine von Buchmomente für die Organisation der Leserunde. Es hat so viel Spaß gemacht mit euch zusammen zu lesen und es war so schön zu sehen, dass wir das Buch eigentlich alle sehr ähnlich empfunden haben. Die Diskussionen waren klasse. Gerne wieder :) 

* * * * * * * * * *
Noch eine Anmerkung zum Schluss: 
Das Willard State Asylum gab es wirklich. Wenn ihr euch dafür interessiert, dann habe ich hier noch ein paar Links für euch. 
Ein Wikipedia-Artikel (auf Englisch): *klick*
Eine Bilder-Gallerie: *klick*
Und ein Bericht über die Koffer der Patienten, die auf dem Dachboden der Klinik gefunden wurden: *klick*

Habt ihr das Buch bereits gelesen? Wie hat es euch gefallen?
Wäre das ein Buch für euch?

Alles Liebe, eure Jacky ♥

Kommentare:

  1. Liebe Jacky,

    eine schöne Rezi - und ich kann genau verstehen, was dir so gut gefallen hat und was eben nicht. Ist mir beim lesen ja ähnlihc gegangen.
    Ich fand unsere Leserunde auch sehr angenehm - und beim nächsten Mal lade ich dich gerne wieder ein. :-)
    Meine Rezi wird wohl morgen online kommen...

    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Hallo Sabine :)
      Dankeschön, das freut mich. Tue mich mit den Rezensionen doch immer noch ein wenig schwer.
      Ich würde mich freuen wieder mit euch zu lesen!
      Liebe Grüße ♥

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  2. Hallo Jacky ;-)
    Das ist aber auch eine ganz tolle Rezension.
    Da wir das Buch ja gemeinsam gelesen haben, kann ich das Positive, aber auch die kleinen Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen.
    Sei mir ganz lieb gegrüßt,
    Hibi

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    1. Huhu Hibi :)
      Danke dir, das freut mich. ♥
      Habe mich über deinen Besuch gefreut.
      Liebe Grüße ♥

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Hallo :)
Schön, dass du vorbeischaust. Lass mir doch gern deine Meinung da.
Liebe Grüße
Jacky ♥